Wohnungsbesichtigung mit Verstand

Die Wohnungsbesichtigung Ein wichtiger Bestandteil der Wohnungssuche

Die Suche nach einer neuen Bleibe gestaltet sich in den meisten Fällen schwierig, aufwendig und kostenintensiv. Viele Dinge müssen bedacht und berücksichtigt werden. Einer der wichtigsten Punkte ist die Wohnungsbesichtigung bzw. die Besichtigung des neuen Mietobjekts. In diesem Artikel möchte ich eine sinnvolle Inspektion des Wunschobjekts beschreiben.

 

Wohnungsbesichtigung

@ Rolf Liedke

Zeitpunkt der Wohnungsbesichtigung

Nutzen Sie für die Wohnungsbesichtigung das Tageslicht und nach Möglichkeit einen Zeitpunkt nach 17h. Achten Sie, je nach Uhrzeit, auf den Licht- bzw. Sonneneinfall in die Wohnung oder auf den Balkon / die Terrasse. Oft befinden sich nach 17h die meisten Nachbarn im Haus. So kann man recht zügig einen möglichen Lärmpegel erkennen. Zudem sind die meisten Wohnungen in den Abendstunden etwas lauter als am Morgen oder tagsüber. Apropos Lärm, auch evtl. gastronomische Einrichtungen in der Nachbarschaft sollten berücksichtigt werden. Pommesbuden oder Kneipen laden zum Plausch auf der Straße ein. Wer den aktuellen Cliquentratsch vom Wohnzimmer der EG-Wohnung nicht verfolgen möchte, sollte dies entsprechend berücksichtigen.

Die Wohnung

Schauen Sie sich vor dem Haus um und achten Sie auf Reinlichkeit im Hausflur. Gibt es einen Reinigungsservice? Wie weit ist der Weg zum Kellerraum? Wo werden Fahrräder abgestellt und wie ist der Bereich für die Mülltonnen gestaltet?
Begutachten Sie den Wohnungseingangsbereich und starten Sie Ihre Mission. In der Wohnung achten Sie auf die Raumaufteilung und die einzelnen Wegstrecken (z.B. Kinderzimmer – Bad; Wohn- Esszimmer – Küche; usw.). Trennt der Flur alle Räume oder gibt es Durchgangszimmer? Wenn ja, schlimm? Konzentrieren Sie sich nur darauf und nutzen Sie Ihr Bauchgefühl. Fühlen Sie sich wohl? Jetzt betreten Sie jeden einzelnen Raum. Öffnen Sie die Fenster (Lärm und Dichtheit), prüfen Sie die Rollläden (defekt oder dunkeln nicht ganz ab), öffnen und schließen Sie die Zimmertüren (sind Schlüssel vorhanden?) und schauen Sie nach Stellen im Raum, an die mit Sicherheit keine Frischluft hinkommt. Sind einige Stellen an den Wänden mehr gestrichen als andere? Ist die Wohnung möbliert, so schieben Sie (nach Möglichkeit und Nachfrage) einige Möbelstücke zur Seite, und prüfen Sie auf evtl. Schimmelbefall. Fassen Sie die Wände mit der flachen Hand an und fühlen Sie. Feucht oder eiskalt sollten sie nicht sein. Gehen Sie in das Badezimmer und schauen Sie sich auch das Gäste-WC an. Achten Sie auf den Geruch. Riecht es nach Chlor, wurde möglicherweise Schimmel beseitigt. Fragen Sie den Vermieter oder Makler. Wie wird das Wasser erhitzt? Betätigen Sie die Toilettenspülung und öffnen Sie die Wasserhähne. Ist der Wasserdruck nach Ihrem Geschmack, und wie lange dauert es, bis warmes Wasser fließt? Die Böden inklusive der Abschlussleisten sollten auch gesichtet werden, und bei Altbauten nicht vergessen, dass die hohen Decken mitgeheizt werden. Noch kurz gecheckt, ob die Steckdosen in ausreichender Anzahl vorhanden sind, und ob die Waschmaschine einen guten Platz bekommen hat. Schon geht es zu den Nebenräumen (Keller, Garage, usw.). Machen Sie sich ruhig Notizen oder Bilder. Bitte bei den Bildern vorher nachfragen. Wenn Sie nicht schreiben möchten, nutzen Sie die Diktiergerät-Funktion Ihres Handys (falls vorhanden) oder bitten Sie Ihre Begleitperson dies zu übernehmen.

Allgemeine Punkte

Alle Personen, die das Mietobjekt beziehen möchten, sollten auch an der Wohnungsbesichtigung teilnehmen; Kleinkinder vielleicht ausgenommen. Suchen Sie für sich alleine, nehmen Sie einen Freund oder Freundin mit. Vier Augen sehen einfach mehr. Nehmen Sie ein Maßband mit und prüfen Sie in kritischen Bereichen (z.B. Dachschrägen), ob Ihr Mobiliar passt.
Lassen Sie sich bitte nicht unter Druck setzen, auch wenn der Wohnungsmarkt aktuell eine schnelle Entscheidung verlangt oder durch Massenbesichtigungen ein harter Wettbewerb suggeriert wird. Sie sollten sich sicher sein!

Unterschreiben Sie nichts, was Sie vorher nicht gründlich durchgelesen haben!

Hinterlassen Sie einen guten Eindruck! Auch Sie werden begutachtet. Seien Sie höflich und interessiert. Fragen Sie nach, und lassen Sie keine Ihrer Fragen unbeantwortet. Es wird Ihnen keiner verübeln, wenn Sie bereits eine ausgefüllte Selbstauskunft, die letzten drei Gehaltsnachweise und/oder sogar eine Schufa-Auskunft dabei haben.

Einige Nebenkosten (z.B. Strom oder Gas) können mit dem Versorger direkt abgerechnet werden und tauchen in der Nebenkostenabrechnung nicht auf. Fragen Sie den Vermieter oder Makler ob hier Daten vorliegen oder fragen Sie nach Möglichkeit die Vormieter direkt. Weitere Informationen zur Nebenkostenabrechnung aus meinem letzten Artikel.

2 Meinungen:

  1. Stoney

    „(..)Es wird Ihnen keiner verübeln, wenn Sie bereits eine ausgefüllte Selbstauskunft, die letzten drei Gehaltsnachweise und/oder sogar eine Schufa-Auskunft dabei haben.(..)“

    Sehr schön, ich habe selbst so etwas wie eine „Bewerbung“ geschrieben:
    -Bilder der alten Wohnung
    -Empfehlungsschreiben des alten Vermieters
    -kurzer Lebenslauf
    -Kopie Arbeitsvertrag / Gehaltsnachweis
    -Kontaktdaten 😉

    Das ganze per pdf an das Makler Büro oder bei der Besichtigung in einer Mappe dabei (immer an eine Kopie für den Vermieter denken, wenn man sich ernsthaft für die Wohnung interessiert.)

    Ich denke ich habe meine Chancen deutlich erhöht, was im Verhalten der Makler / Vermieter spürbar war. Einmal wurde ich sogar angerufen und gefragt ob ich mich noch für die Wohnung interessieren würde 😉

    Was ich zusätzlich noch besonders gerne mache ist mal bei Nachbarn zu klingeln und nach Problemen zu fragen 😉
    Das ganze natürlich OHNE Vermieter und/oder Makler … das mögen die nicht ^^

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    1. Oliver Loos-SchiefbahnOliver Schiefbahn Artikelautor

      @ Stoney
      Vielen Dank für Deinen Beitrag und ich stimme Dir voll zu.

      Auch wenn es etwas umfangreicher ist, wer seine Chancen bei der Wohnungssuche erhöhen möchte, sollte alle Möglichkeiten nutzen.

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