Soll ich kaufen oder mieten? Gedanken zum Immobilienkauf

Von
29.11.2013

Soll ich eine Wohnung oder Haus kaufen oder lebe ich besser zur Miete?

Die Entscheidung, zur Miete zu leben oder besser ein Eigenheim zu erwerben, ist in erster Linie Glaubenssache. Das eigene Häuschen ist natürlich des Deutschen liebstes Kind. Damit verbinden sich Gefühle und Bilder von spielenden Kindern im Garten und mehr Gestaltungsmöglichkeiten.

Immobilien - Mieten oder kaufen

© Rolf Liedke

Auch ich, der hier im MieteBlog die Fahne der Vermietung hoch hält, kann mich diesen Gedanken nicht entziehen und habe es einmal durchgerechnet. Genauer gesagt habe ich rechnen lassen. Ich beauftragte einen Kreditmakler, uns eine bestimmte Summe zu günstigen Konditionen zu besorgen. Wir selbst wollten von Gespartem und Geerbtem mehr als die Hälfte Eigenkapital hinzusteuern.

Der erste Rat des Kreditmaklers war, einen höheren Betrag aufzunehmen und den Eigenanteil herunterzuschrauben. Schließlich gibt es ja gerade günstiges Geld. Gesagt, getan, gerechnet. Super Konditionen, viel Geld und: „Da stehen dann nur noch 40,000 EUR in 10 Jahren, und da kann man dann ja einen neuen Kredit aufnehmen …“

Wie, in 10 Jahren einen neuen Kredit aufnehmen? Ich muss dazu sagen, dass meine Risikobereitschaft sehr gering ist und ich mir nicht vorstellen kann, dass in 10 Jahren das historische Tief bei den Zinsen noch besteht. Aber das ist Kaffeesatzleserei.

Zurück zu den Fakten: Wenn man keinen großen Geldbeutel hat, wird es auch nicht unbedingt der top sanierte Altbau oder gar das energieeffiziente Einfamilienhaus. In unserem Fall wäre es ein kleines Haus aus den Dreißigerjahren gewesen. Renoviert in den Achtzigern. Das klang erst einmal gut, bis der Energieberater hinzukam.

Da muss gedämmt werden, hier neue Fenster, da eine Bodenheizung. Lange Rede, kurzer Sinn: Für uns waren da zu viele offene Fragen, und eine Nachfinanzierung zur Deckung von noch unerwarteten Renovierungen lassen sich Kreditinstitute gerne vergolden.

Wir haben das noch einmal mit Volltilgung durchspielt. Dafür gab es weniger, und das reichte dann nicht für die komplette Sanierung. Das war nun eine Entscheidung, die ich mit meiner Familie klären musste, und für unsere Situation war es richtig, sich gegen den Kauf zu entscheiden. Unter anderen Bedingungen mag sich das besser darstellen. Ich will das Eigenheim auch nicht kritisieren, aber eines muss jedem klar sein: Es ist Luxus, und den muss man sich leisten können, und zwar nicht nur den Erwerb, sondern auch dessen Unterhalt.

Hierzu habe ich die Tage in unseren Mietcommunities bei Google+ und Facebook den Link zu einem YouTube-Video einer Diskussionsrunde bei Markus Lanz gepostet. Hier war Mr. Dax, Dirk Müller, eingeladen. Er sieht das natürlich nur von der Anlageseite. Das heißt, er sieht das Haus als Wertanlage. Und was soll ich sagen: Er wohnt zur Miete, wie auch die meisten anderen in dieser Runde, und Geld hätten die wohl genug, um sich etwas zu kaufen. Es lohnt sich in jedem Fall, das Video anzuschauen.

Wie gesagt, Immobilienbesitz ist auch Gefühlssache, und gegen Emotionales kann man nur schwer argumentieren.
Was ich aber dann doch sehr fragwürdig fand, war ein Artikel, den ich am 25. November 2013 in der Bildzeitung fand. Da stand auf der Titelseite in großen Lettern:
„Mini-Zinsen machen es möglich! Haus kaufen ohne eigenes Geld!“
Da ich ja gerade am eigenen Leib erfuhr, wie eng es werden kann, selbst, wenn man Eigenkapital hat, dachte ich mir, dass ich mir das einmal genau anschauen sollte. Weiter ging der Artikel auf Seite 10 mit einer kleinen Tabelle:

„So rechnet sich der Hauskauf für Familie Pelz:
Gehalt 3500 Euro brutto/Monat
Miete derzeit 750 Euro warm
Kaufpreis Haus 190.000 Euro
Kredit Zins 3,5 %
Tilgungsrate 3,3 %
Belastung 708 Euro/Monat
Plus Nebenkosten ca. 300 Euro/Monat
Kredit-Laufzeit 15 Jahre
Restschuld nach 15 Jahren 44.000 Euro“

Puh, da musste ich schlucken. Über 1000 Euro im Monat bei 3500 Euro brutto im Monat mit 2 Kindern. Das Haus ist aus den Dreißigerjahren, da kommen in den nächsten Jahren völlig unkalkulierbare Kosten dazu. „Wir sind sicher, dass das klappt“ sagt Frau Pelz im Gespräch mit der Bildzeitung, da sie bald wieder als Friseurin arbeiten will. Zudem hoffe die Familie, dass sich die Zinsen nach 15 Jahren nicht allzu stark erhöht haben werden, um die 44.000 Euro mit einem Anschlusskredit zu finanzieren.

Ich wünsche der Familie alles Gute und hoffe, dass ihre Finanzierung nicht platzt, sie sich alle bester Gesundheit erfreuen und sie in Ihren Berufen weiterhin die nächsten Jahre sicher arbeiten können.

Ich will hier auch nicht die Entscheidung der Familie kritisieren. Sie muss schon selber wissen, was gut für sie ist. Was ich aber für gefährlich halte, ist, dass die meistverkaufte Zeitung in Deutschland solche Headlines auf Ihrer ersten Seite hat und damit sicherlich einige Menschen zu den Kreditinstituten treibt. Und dort werden Verträge abgeschlossen, die nur für eine Partei immer sicher sind, und das sind nicht die Kreditnehmer.

Fairerweise muss ich dazu sagen, dass wenn auch der Tenor des Artikels eher zur Finanzierung rät, sieben ganz vernünftige Regeln zum Immobilienkauf genannt werden.
Das war auch nicht nur ein Artikel, sondern der Auftakt zu einer Serie zum Thema „Hauskauf ohne Eigenkapital“, und es wird sicherlich noch von anderen Standpunkten beleuchtet,  aber die verführerische Headline lag in tausenden von Tankstellen und Bäckern aus.
Wer kein Bild+ Abo hat, kann das hier nachlesen.

Ich wohne nun weiterhin mit meiner Familie gerne zur Miete, freue mich, dass ich es warm habe, schlürfe meinen Kaffee und schreibe weiter Blogeinträge darüber, wie ich selber wohne.

Ein schöne Vorweihnachtszeit allen Mietern und Vermietern und auch den mutigen Eigenheimbesitzern 😉

 

4 Meinungen:

  1. Pingback: Informieren Sie sich über Baufinanzierung! - MieteBlog.de

  2. Risiko Eigenheim

    Hallo 🙂
    Ich finde Ihren offenen Worte super! Sie haben den Kern der Problematiken genau erfasst. Ein gebrauchtes Haus, noch dazu von einem Makler, den man mitbezahlt, kann tilgungstechnisch ein Fass ohne Boden werden, da immer wieder nachfinanziert werden muss. Klar, es hat seinen Charme, dass es „meines“ ist, aber das klappt tatsächlich nur, wenn man eine hohe Tillgung einbaut. Und das nicht nur in Niedrigzinszeiten wie heute, sondern die hohe Tilgung muss nach einer Anschlussfinanzierung, zu höheren Zinsen, beibehalten werden.
    Denn wie Sie schon richtig sagen: ein Haus aus den 30ern hat viele Baustellen.
    Es geht hier gar nicht mal so sehr um die Modernisierung. Denn wenn man seöbst im Haus lebt, kann man mit vielen Macken leben 😉
    Es geht um die Bewertung der Immobilienbank in Bezug auf das Darlehen. Denn eine alte Immobilie verliert doch deutlich zügiger an Wert (Marktanpassungsfaktoren) und wenn dann das Tilgungsverhalten nicht angepasst ist, werden die Zinsen teurer als es nötig wäre.
    Und ehe man sich versieht, sind 20 Jahre vorbei und das Haus braucht eine neue Fassade, neue Leitungen etc.pp. Selbst wenn man eigentlich nicht will, so kann einem die Bank das Messer auf die Brust setzen…

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  3. Arno

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Das ist natürlich eine sehr große Entscheidung. Möchte man ein Haus kaufen, muss einem natürlich bewusst sein, dass man somit weniger flexibel ist.
    Jedoch ist auf Dauer zur Miete zu wohnen sehr teuer.
    Beste Grüße,
    Arno von http://www.residenceimmo.it

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  4. Appler + Wöhry Immobilien

    Aus meiner Sicht kommt es ein wenig darauf an, wo du wohnst und wieviel du dir wirklich leisten kannst. Ein guter Makler gibt dir die wichtigsten Informationen ob es sich lohnt oder nicht. Wenn die Familie damals mit einem Zinssatz von 3,5% gekauft hat, wird sich die Familie wahrscheinlich etwas ärgern. Heutzutage ist es tatsächlich so – je ärmer man ist, desto mehr Fördermittel erhält man.

    Michael von https://www.woehry.immo/

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