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05.03.2013

Die Vox-Fernsehserie “mieten, kaufen, wohnen” – wie real ist Reality?

Wenn ich einmal ein Sprichwort verdrehen darf, dann ist man nicht, was man isst, sondern man ist, was man sieht. In diesem Sinne sollten wir beim Betrachten von Realitysoaps unseren Verstand angeschaltet lassen. Dass man sie nicht für bare Münze nehmen sollte, ist längst nicht jedem klar, obwohl im Abspann zumeist steht, dass die Geschichten rein erfunden sind. Aber wer liest den schon?

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© Rolf Liedke

Die erfolgreiche Serie auf Vox “mieten, kaufen, wohnen” hat das Maklergeschehen im Visier. Hier werden Villen und Wohnungen an gespielte Kunden oder Promis vermakelt.
Wahr ist, dass die Makler echt sind, und selbst die Wohnungen stehen oftmals zum Verkauf oder zur Miete frei. Die Geschichten sind jedoch der Realität nur nachempfunden. Die Kunden sind keine echten Interessenten, sondern Laiendarsteller und Promis.
Nicht der Realität entspricht vor allem der Ablauf des Geschäfts. Die Interessenten treffen sich mit dem Makler in einer leeren, unbewohnten Wohnung. So habe ich das allerdings noch nie erlebt. Meist ist man gleich mit dem Makler per Du. Auch benötigt man keinen Zweittermin. Es kommt zumeist gleich nach der Besichtigung zum Kundenzuschlag und Umtrunk.

Tatsächlich gibt es Wohnungen auch leider nicht auf Knopfdruck, so wie es die Serie vermittelt. Vor allem in den Großstädten sind sie knapp. Hier kommt es oft zu unschönen Massenbesichtigungen, die allerdings nicht Teil der Serie sind.

Nichts gegen seichte Unterhaltung wie „mieten, kaufen, wohnen“, aber sie sollte nicht das Bild unserer Realität prägen. Um eine Reality-Darstellerin der unten aufgeführten NDR Dokumentation zu zitieren: “Der Zuschauer langweilt sich ja, wenn man ganz normales Leben zeigen würde”.
In diesem Sinne wird hier vielleicht nicht gelogen, aber doch die Realität bis an die Grenzen gedehnt. Hier ein schon etwas älterer aber aufklärender Beitag des NDR zum Thema Realityformate.

Bei “mieten, kaufen, wohnen” geht es ebenfalls bunt zu. So ist die gelernte Immobilienkauffrau und Maklerin in “mieten, kaufen, wohnen”, Annina Ucatis, auch bekannt als Pornodarstellerin. Und ganz aktuell ist einer der Stars der Serie, Marcel Remus, in Palma zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden, da er angeblich Kundendaten seines Ex-Arbeitgebers entwendet habe.

Und wer noch nie eine Originalserie gesehen hat, kann das auf dem Youtubekanal des Personaltrainers und Darstellers in “mieten, kaufen, wohnen”, Wolfgang Hoffmann, nachholen. Der durchaus symphatische Makler in dieser Folge ist der bei den Liebhabern der Serie bekannte Thorsten Schlösser, der allerdings am 5. Juli 2012 verstorben ist.

Also wem diese Formate Spaß machen, dem will ich sein Vergnügen nicht nehmen, aber bedenken Sie, dass eine Wohnungsuche über Makler so in der Regel dann doch nicht abläuft.

2 Meinungen:

  1. oli

    Hallo Rolf,
    vielen Dank für den Artikel. Längst überfällig, dass hier mal jemand die Realität darstellt. Ich als Immobilienmakler werde viel zu oft mit den Kollegen aus der Fernseh-Soap verglichen. Also nicht nur ich in Persona, sondern auch vielmehr der Ablauf.

    Es muss einfach klar sein, dass es im „echten“ Leben nicht so abläuft…

    Gruß
    Oli

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