Immobilienbetrug – ein Interview mit einem Geschädigten – Teil 1

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10.04.2013

Immobilienbetrug kann in vielerlei Gestalt kommen, aber einige grundlegende Dinge sind sich immer ähnlich. Lesen Sie hierzu den Wikipediaeintrag für eine Übersicht und im Folgenden unser spannendes Interview.

Interviewpartner Thema Immobilienbetrug

© Rolf Liedke

Mein  Interviewpartner Christian Fein wurde Opfer eines Immobilienbetrugs, konnte sich aber noch rechtzeitig erfolgreich wehren. Trotz allem blieb er auf einem Schaden von 14.000 € sitzen. Dies ist ein Erfahrungsbericht eines Betroffenen und keine Rechtsberatung.

Hallo Herr Fein, danke für Ihr Kommen. Als Sie in unserem Blog den Aufruf gelesen haben, dass wir neue Themen suchen, sind Sie mit ihrer schon fast abenteuerlichen Geschichte an mich herangetreten. Schildern Sie unseren Lesern doch bitte kurz, um was es geht.
Guten Tag Herr Liedke, ich freue mich, heute bei Ihnen meine Geschichte erzählen zu können, um andere vor dem zu bewahren, was mir und meiner Frau widerfahren ist. Kurz gesagt, ich bin Opfer eines klassischen Immobilienbetruges geworden und dies, obwohl wir eigentlich gar keine Immobilie kaufen wollten. Ich hätte fast eine Wohnung für 155.000 € gekauft, die nur 85.000 € wert war, konnte jedoch vom Verkauf noch zurücktreten und hatte so für die gesamte Rückabwicklung trotzdem noch Kosten von 14.000 € .

Wie fing denn alles an?
Als erstes erhielt ich einen Anruf. Man gab sich am Telefon als “Institut für Wirtschaftsförderung” aus und gab vor, eine anonyme Umfrage zu machen. Die Dame fragte, ob wir denn schon einen Steuerberater hätten, und ob wir steuerverwertbare Vorteile nutzen würden und dergeichen.

Sie gaben am Telefon darüber Auskunft?
Ja, ich gebe zu, ich war naiv und dachte, es ginge ja nur um eine anonyme Umfrage. Zwei Wochen später jedoch bekam ich einen weiteren Anruf. Diesmal von einem “Beratungshaus”. Man bezog sich auf die Umfrage und bot uns ein kostenloses unverbindliches Informationsgespräch an. Das Beratungshaus gab vor, schon seit einiger Zeit Firmenkunden zu betreuen, nun aber auch Privatkunden von ihren Leistungen profitieren lassen zu wollen. Ich wollte ohnehin jetzt erstmals eine Steuererklärung durchführen lassen, beziehungsweise diese selbst machen, und von daher kam mir dies entgegen.

Kurzum, wir ließen uns auf ein Beratungsgespräch bei uns zu Hause ein.

Ein Vertreter stellte uns einen anonymisierten Fall dar, bei dem durch Subventionen, Förderungen und ein paar Tricks und Kniffe rund 300 € im Monat gespart werden könnten. Dann ließ er sich unsere Versicherungsunterlagen und Kreditverträge mitgeben, um für uns die Steuererklärung in dem Beratungshaus aufzuarbeiten und diese dann mit uns später zu besprechen. Als solches war das auch immer noch nachvollziehbar, und ich ging von einem normalen Vorgehen aus. Wenn die die Steuer machen, brauchen die eben auch die entsprechenden Unterlagen.

Sicherlich ein Fehler, oder?
Auf jeden Fall, damit war für den Vertreter klar, dass wir das ideale Opfer sind. Steuerrechtlich komplett unbedarft und finanzielle Laien. Er nahm die Unterlagen zur Prüfung mit, und weitere zwei Wochen später hatte ich mit meiner Frau einen Termin vor Ort. Das luxuriöse Büro erweckte Vertrauen. Es wurde uns ein Fachmann für Nettolohnoptimierung vorgestellt, welcher sich dann später als Geschäftsführer entpuppte. Ein jovialer Typ, der drei Stunden über die Firma, Bausparverträge und Fördertöpfe referierte aber dennoch scheinbar komplexe Themen einfach und nachvollziehbar erklären konnte.

Wir wollten über alles noch einmal nachdenken und vereinbarten einen weiteren Termin.

Nachdem Sie sich das durch den Kopf gingen ließen, was passierte dann beim zweiten Termin?
Der Geschäftsführer versuchte mich in den ersten Gesprächen mit anzüglichen Bemerkungen und stereotypen Gesprächsbrocken über Autos und Frauen auf seine Seite zu ziehen. Scheinbar erkannte man, dass diese Nummer bei mir nicht zog, und so wurde uns beim zweiten Termin ein anderer Herr vorgestellt – der Steuerexperte.

Der Steuerexperte war ein ganz anderer Typ Mensch als sein Vorgänger, eher der ruhige familiäre sympathische Typ. Ich muss zugeben, dass ich relativ schnell Vertrauen zu ihm fasste. Auch er hielt einen dreistündigen Vortrag über Steuervorteile. Hier erfuhren wir auch, dass sich das Beratungshaus angeblich über eine Provision von 10% der eingesparten Steuern finanziere. Das erschien mir fair. Jetzt kam auch zum ersten Mal das Gespräch auf einen Immobilienkauf als Kapitalanlage. Es waren lediglich drei Minuten mit der Frage: “Haben sie eigentlich schon mal an eine Eigentumswohnung gedacht?”. Wir verneinten. Der Fall war für mich damit erledigt. Es wurden weitere neue Unterlagen für den nächsten Termin eingefordert, an welchem dann endlich auch die Steuererklärung gemacht werden sollte.

Hatten Sie zu dieser Zeit schon einen Verdacht, dass es hier nicht mit rechten Dingen zuging oder es sich gar um einen Immobilienbetrug handelt?
Eigentlich nicht, wie gesagt, wir waren unbedarft und völlig mit all den Informationen überfordert, gingen aber davon aus, hier professionelle Beratung zu erhalten. Und das Thema Immobilie stand ja auch nicht im Vordergrund, sondern unsere Steuerersparnis.

Aber wenn Sie mich so fragen, gab es zwei kleine Ungereimtheiten. Erstens bekamen wir unsere Unterlagen noch nicht zurück, obwohl uns das bei unserem ersten Besuch zugesichert wurde. Das führten wir gutgläubig aber darauf zurück, dass die Unterlagen noch für die Fertigstellung der Steuererklärung benötigt würden. Bis zu diesem Zeitpunkt allerdings war in dieser Hinsicht noch nichts geschehen. Und das war Punkt zwei, der uns suspekt vorkam. Aber uns wurde ja versprochen, beim dritten Termin nun endlich die Steuererklärung anzugehen.

Da hat man Sie ja mittlerweile regelrecht weichgekocht.
Ja, wir wurden ja auch lange genug hingehalten, um uns das Gefühl zu vermitteln, dass man sich extra Mühe gab und alles ganz genau prüfte, um die größtmögliche Steuerersparnis herauszuschlagen.

Genau eine Woche vor Weihnachten 2012 fand also nun das dritte Treffen statt. Wir wurden vom Steuerexperten schon mit den Worten empfangen: “Jetzt müssen Sie viel Vertrauen in mich haben, ich habe hier ein Angebot vorliegen, dass Sie garantiert interessieren wird. Aber erstmal zu Ihrer Steuererklärung…”.  Der Steuerexperte ging ganz kurz auf die Steuererklärung ein und kassierte die weiteren mitgebrachten Unterlagen ein. Damit war das Thema Steuererklärung erledigt.

Nun wurden wir vom Steuerexperten nochmals gefragt, wie wir denn zu einer Immobilie prinzipiell stehen. Wir sagten: Wenn, dann gingen konkrete Überlegungen erst in 1-2 Jahren dahingehend los. Immerhin haben wir erst vor 6 Wochen geheiratet.
Jetzt zog er sein unschlagbares Angebot aus dem Ärmel, exklusiv und Last-Minute, direkt auf uns zugeschnitten. Eine 3-Zimmer-Wohnung in der Ludwigshafener Innenstadt für ca. 165.000 € inklusive Parkplatz.

Lesen Sie nächste Woche wie es weitergeht.

Immobilenbetrug – ein Thema für Vermieter, beziehungsweise Anleger, die in Mietimmobilien  investieren wollen.

Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Zusammenfassung und keine rechtliche Beratung.

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